Salbei - Salvia officinalis

Salbei - Salvia officinalis - eine wichtige entzündungshemmende Heilpflanze
Salbei - Salvia officinalis

Verwendete Pflanzenteile: Blätter

Inhaltsstoffe: 1-2,5 % ätherisches Öl mit mehr als 120 Komponenten (u.a. Thujon, Cineol, Kampfer), bis zu 8 % Lamiaceen-Gerbstoffe (u.a. Rosmarinsäure), Bitterstoffe (z.B. Diterpene wie Carnosolsäure), Flavonoide wie zum Beispiel Apigenin und Luteolin, Triterpene.

Herkunft: Mittelmeergebiet

Aussehen und Standort von Salbei

Der wärmeliebende, immergrüne Salbei ist ein Halbstrauch, der bis zu 80 Zentimeter hoch wachsen kann. Mit zunehmendem Alter verholzt er im unteren Bereich, während die oberen Stängel weich und filzig behaart bleiben. Die schmal zulaufenden Blätter sind weißfilzig behaart, wodurch sie eine graugrüne Farbe annehmen. Dieser samtige Überzug ist ein wichtiges Erkennungszeichen für den Salbei. Von Mai bis Juli zieren hell- bis blauviolette Blüten den samtigen Strauch, die sich in lockeren Scheinquirlen versammeln. Es lohnt sich, diese kleinen Blütenwunderwerke näher zu betrachten. Ihre Lippen gleichen kleinen Mündern, aus denen die Staubgefäße wie Zungen ragen. Die rotbraunen, glockig-röhrigen Blütenkelche umfassen wie eine Manschette die Blütenkronen. Sie fühlen sich durch die enthaltenen Harze klebrig an. In einer Blüte reifen vier als Klausen bezeichnete Samen mit einem Durchmesser von zwei bis drei Millimetern. Alle Pflanzenteile verströmen nach dem Reiben einen intensiven Salbeiduft. In Nordeuropa ist der aus dem Mediterranen stammende Salbei nur bedingt winterhart. Am besten gedeiht er auf kalkreichen, steinigen und trockenen Böden.

Wirkung von Salbei

Bekannt ist Salbei als wirkungsvolle Heilpflanze gegen Bakterien, Viren und Pilze. Die Wirkung des aus Salbei gewonnenen ätherischen Öls gegen virale Infekte konnte in vitro nachgewiesen werden (Abou Baker et al. 2021; Tariq et al. 2019).

Ein reichhaltiger Cocktail an sekundären Pflanzenstoffen erweitert das Wirkungsspektrum von Salbei weit über die entzündungshemmenden Einsatzbereiche hinaus. Er wirkt unter anderem positiv auf die Verdauung, indem er den Appetit anregt, den Gallenfluss unterstützt und entkrampfend wirkt.

Die im Salbei enthaltenen Gerbstoffe, vor allen die Rosmarinsäure, sind adstringierend. Sie wirken abdichtend auf die oberen Zellschichten und hemmen die Sekretion, das Nässen des entzündeten Gewebes. Sie unterstützen dadurch die Wundheilung.

Rosmarinsäure wirkt zudem hemmend auf Achetylcholinesterase, ein Enzym, das den Neurotransmitter Acetylcholin abbaut (Mervić et al. 2022). Acetylcholin spielt eine wichtige Rolle in der Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Ein vermehrter Abbau von Acetycholin kann eine reduzierte Gedächtnisleistung bis hin zum Gedächtnisverlust zur Folge haben.

Einem Gedächtnisverlust entgegen wirken sollen auch die weiteren Salbei-Bestandteile Carnosol oder Kaffeesäure. Sie haben eine antioxidative Wirkung (Matsingou, et al. 2003) und können dadurch freie Radikale binden, unter anderem im zentralen Nervensystem. Eine Folge kann ein verbessertes Erinnerungsvermögen sein.

Salbei-Extrakte haben eine modulierende Wirkung auf Serotonin- und GABA-Rezeptoren (Tober, Schoop 2019). Serotonin ist ein Neurotransmitter mit vielfältigen Wirkungen insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System, den Magen-Darm-Trakt und das Nervensystem. GABA (γ-Aminobuttersäure) ist ein wichtiger endogener Botenstoff. GABA-Rezeptoren finden sich häufig auf Nervenzellen. Meistens hemmt GABA über diese Rezeptoren die Nervenleitung.

Die in Salbei enthaltene Carnosolsäure unterstützt unter anderem die Regeneration von Haarfolikeln und könnte deshalb bei Haarausfall wirksam sein (Singh et al. 2025).

Salbei hat weiterhin adstringierende, schweißhemmende und durchblutungsfördernde Wirkungen. Salbei schwemmt Ödeme aus, ist blutzuckersenkend (Abdollahi et al. 2022) und leicht blutdrucksenkend. Die nachgewiesen Cholesterinspiegel-senkende Wirkung beruht vermutlich auf dem im Salbei enthaltenen Flavonoid Quercetin (Kianbakht et al. 2011).

Anwendung von Salbei

Salbei wird bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Zahnfleischentzündungen und bei äußerlichen Wunden, Geschwüren, Entzündungen oder Hautpilzen eingesetzt. Sitzbäder mit Salbeiauszügen helfen bei Infektionen im Genitalbereich. Klinische Studien belegen die Wirkung des Salbeiextrakts gegen Lippenherpes (Schnitzler et al. 2008).

Zu den Anwendungsbereichen gehören zudem unspezifische Magen-Darm-Beschwerden sowie vermehrte Schweißbildung. In klinischen Studien konnte die Wirkung von Salbei-Extrakten gegen Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafstörungen in den Wechseljahren nachgewiesen werden (Zeidabadi et al. 2020; Moradi et al. 2023). Möglicherweise beruhen diese Wirkungen auf Nervenrezeptor-modulierenden Fähigkeiten des Salbeis.

Von der Wirkung gegen Hitzewallungen profitieren auch Männer, die an Prostatakrebs erkrankt sind (Vandecasteele et al. 2012). Die Behandlung beinhaltet in der Regel eine Antiandrogentherapie, die die Menge des Hormons Testosteron im Körper der Patienten reduziert und als Nebenwirkung zu Hitzewallungen führt.

Salbei soll durch seine Acetylcholinesterase-hemmende Wirkung die kognitiven Fähigkeiten und Gedächtnisleistungen fördern (Ertas et al. 2023; Zhumaliyeva et al. 2023). Wegen dieser Eigenschaften wird er bei leichten Formen von Demenz und Alzheimer eingesetzt. Eine Begleiterscheinung der Alzheimer-Erkrankung ist der vermehrte Abbau von Acetylcholin, was wiederum zum beschleunigten Abbau von Gedächtniszellen führt. Wegen seiner gedächtnisfördernden Wirkung wird Salbei auch als Brain boosting botanical bezeichnet.

Salbei wird außerdem eingesetzt gegen Heiserkeit, Husten und Erkältung, als Beruhigungs- und allgemeines Stärkungsmittel, bei Blutungen, Menstruationsbeschwerden, Zahnschmerzen und zur Wundheilung. Da Salbei die Milchbildung hemmt, wird er auch zum Abstillen gegeben.

In einer in-vivo-Studie konnte der positive Effekt einer Kombinationstherapie gegen Diabetes nachgewiesen werden. In der Untersuchung führte die Kombination von Standardtherapeutika mit Salbei-Extrakten zu einer verbesserten Regulierung des Blutzuckerspiegels (Tătaru et al. 2025).

Salbei für Hunde, Rinder und andere Tiere

Da Salbei die Milchbildung hemmt, wird er bei Kleintieren gegeben, um die Gesäugerückbildung zu unterstützen. Auch bei scheinträchtigen Hunden kommt er zum Einsatz. Trächtigen oder laktierenden Tieren darf Salbei innerlich hingegen nicht gegeben werden. Auch Jungtieren sollen keinen Salbei innerlich verabreicht bekommen.

Die sogenannte Rinderflechte (Trichophytie) ist eine Erkrankung um die Augenpartie und auf weiteren Körperteilen bei Rindern mit starkem Juckreiz und kreisrunden Veränderungen. Diese Pilzerkrankung kann äußerlich mit verdünntem Salbeitee behandelt werden.

Auch andere Hautpilzerkrankungen bei Tieren lassen sich äußerlich mit Salbeitee therapieren.

Bitte beachte Sie:
Für Katzen ist Salbei wegen der ätherischen Öle nicht geeignet.
Trächtige und säugende Tiere dürfen nicht mit Salbei behandelt werden.

Salbei als Hausmittel

Für einen Teeauszug übergießen Sie 4 bis 6 Gramm frische oder getrocknete Salbeiblätter mit kochendem Wasser. Lassen Sie den Tee zugedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen. Salbei können Sie an einem sonnigen Platz im Garten kultivieren, um die intensiveren frischen Blätter für Ihre Hausapotheke zur Verfügung zu haben. Mit den frisch geernteten Blättern können Sie auch gut kaltes Wasser in einer Karaffe aromatisieren.

Trinken Sie den heißen Tee bei Erkältungskrankheiten. Nur der kalte oder lauwarme Tee zeigt die schweißhemmende Wirkung des Salbeis, zum Beispiel auch bei Fußbädern.

Sie können den Salbeitee auch zum Inhalieren verwenden.

Ätherisches Salbeiöl setzen Sie immer verdünnt ein, da es sonst schleimhautreizend wirkt.

Bitte beachten Sie: Setzen Sie reines ätherisches Salbeiöl oder alkoholische Salbeiextrakte wegen des Thujongehaltes nicht in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit ein.

Wissenswertes über Salbei

Der wissenschaftliche Name des Salbeis verweist auf seine Heilkraft: „Salvia“ leitet sich vom lateinischen „salvare“ ab, das Wort für Heilen. Das englische Wort "sage" bedeutet Salbei, aber auch Weiser Mann.

Bereits im frühen Mittelalter trat der Salbei seinen Siegeszug in Mitteleuropa an. Seinen Ruf, ewiges Leben zu schenken, verdankt er der Jungfrau Maria. Einer Legende zufolge soll sie sich auf ihrer Flucht nach Ägypten mit dem Jesuskind unter dem Salbeistrauch vor Herodes versteckt haben. Viele Sprichwörter zeugen von seinen heilenden Eigenschaften, zum Beispiel "Wer Salbey baut, den Tod kaum schaut!", das im Deutschen Sprichwörter-Lexikon von Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803-1879) zu finden ist.

Die Mönche des Mittelalters stellten aus Honig, Apfelessig und Salbeiblättern ein Hustensirup her, das sich großer Beliebtheit erfreute.

Salbei findet sich nicht nur wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung in Wurstwaren wieder. Traditionell nutzten die Menschen früher auch seine konservierenden Eigenschaften bei der Wurstproduktion oder zum Einlegen von Fleisch.

Chiasamen sind die Samen einer weiteren Salbeiart, der aus Mexiko stammenden Salvia hispanica.

Obwohl sich die Heimat des Salbeis in den warmen Klimaten des Mittelmeers findet, trotzt er den kalten Wintern. Immergrün scheint der kleine Strauch gerade in der kalten Jahreszeit besonders frisch und aufrecht auszusehen; Ausdruck einer starken Vitalität, die sich mit den physischen Lebenskräften des Menschen verbindet. Damit hat Salbei einen engen Bezug zur Haut als Ausscheidungsorgan, zur Schweißdrüsentätigkeit. Indem er den Menschen stärker mit seinem physischen Leib verbinden hilft, wirkt Salbei erwärmend.

Literatur zu Salbei

Abdollahi A, et al. The effect of Salvia officinalis on blood glycemic indexes and blood lipid profile in diabetic patients: a systematic review and meta-analysis. J Complement Integr Med 2022;20:521-529. doi: 10.1515/jcim-2021-0425.

Abou Baker DH, et al. Antiviral activity of Lavandula angustifolia L. and Salvia officinalis L. essential oils against avian influenza H5N1 virus. J Agric Food Res 2021;4:100135.  doi: 10.1016/j.jafr.2021.100135.

Ertas A, et al. A Focused Review on cognitive improvement by the Genus Salvia L. (Sage)-From ethnopharmacology to clinical evidence. Pharmaceuticals (Basel) 2023;16:171.doi: 10.3390/ph16020171.

Kianbakht S, et al. Antihyperlipidemic effects of Salvia officinalis L. leaf extract in patients with hyperlipidemia: a randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. Phytother Res 2011;25:1849-1853. doi: 10.1002/ptr.3506.

Mervić M, Bival Štefan M, Kindl M et al. Comparative antioxidant, anti-acetylcholinesterase and anti-α-glucosidase activities of mediterranean Salvia species. Plants 2022; 11: 625. DOI: 10.3390/plants11050625.

Moradi M, et al. The effect of Salvia officinalis on hot flashes in postmenopausal women: A systematic review and meta-analysis. Int J Community Based Nurs Midwifery 2023;11:169-178. doi: 10.30476/IJCBNM.2023.97639.2198.

Rahte S, et al. Salvia officinalis for hot flushes: towards determination of mechanism of activity and active principles. Planta Med 2013;79:753-60. doi: 10.1055/s-0032-1328552.

Schnitzler P, et al. Comparative in vitro study on the anti-herpetic effect of phytochemically characterized aqueous and ethanolic extracts of Salvia officinalis grown at two different locations. Phytomedicine 2008;15:62-70. doi.org/10.1016/j.phymed.2007.11.013.

Singh P, et al. Therapeutic potential of carnosic acid in alopecia: a mechanistic perspective. Planta Med 2025. doi: 10.1055/a-2665-2211.

Tariq S, et al. A comprehensive review of the antibacterial, antifungal and antiviral potential of essential oils and their chemical constituents against drug-resistant microbial pathogens. Microb Pathog 2019;134:103580. doi: 10.1016/j.micpath.2019.103580.

Tătaru I, et al. Comparative study: biguanide-, sulfonamide-, and natural agent-based interventions in an in vivo experimental diabetes model. Medicina (Kaunas). 2025;61(7):1151. doi: 10.3390/medicina61071151.

Tober C, Schoop R. Modulation of neurological pathways by Salvia officinalis and its dependence on manufacturing process and plant parts used. BMC Complement Altern Med. 2019;19:128. doi: 10.1186/s12906-019-2549-x.

Vandecasteele K, et al. Evaluation of the efficacy and safety of Salvia officinalis in controlling hot flashes in prostate cancer patients treated with androgen deprivation. Phytother Res 2012;26:208-213. doi: 10.1002/ptr.3528.

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Zeidabadi A, et al. The effect of Salvia officinalis extract on symptoms of flushing, night sweat, sleep disorders, and score of forgetfulness in postmenopausal women. J Family Med Prim Care 2020;9:1086-1092. doi: 10.4103/jfmpc.jfmpc_913_19.

Zhumaliyeva G, et al. Natural compounds of Salvia L. genus and molecular mechanism of their biological activity. Biomedicines 2023;11:3151. doi.org/10.3390/biomedicines11123151