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Erbinformation der Mistel entziffert

Wissenschaftlern der Leibniz Universität Hannover (LUH) gelang es, die Erbinformation der Mistel (Viscum album) zu dechiffrieren. Sie standen dabei vor einer immensen Herausforderung: Das Genom der Mistel ist 30-mal größer als das des Menschen. Rund 90 Milliarden Nukleotide gilt es zu entziffern. Das ist am Stück mit heutiger Technik nicht möglich. Das Team in Hannover bediente sich deshalb eines Tricks. Um leichter zu bearbeitende kleine Abschnitte des Genoms zu erhalten, griffen sie auf die mRNA der Mistel zurück. mRNA mit dem m für Messenger ist eine Abschrift eines Teilabschnittes der DNA. Eine lebende Zelle produziert laufend eine Vielzahl von mRNAs. Sie dienen als Baupläne für die Synthese der unterschiedlichen Proteine. Die Hannoveraner Forscher isolierten die mRNA aus der Mistel und übersetzten sie wieder in DNA. Jetzt hatten sie das Mistel-Genom in sinnvolle Teilstücke zerlegt vorliegen. Die Entzifferung konnte beginnen.

Mehr als 39.000 Gensequenzen der Mistel konnte das Team auf diese Weise ermitteln. Einen kleinen Teil davon konnten sie Bauanleitung bekannter Proteine und Enzyme zuordnen, die die Mistel synthetisiert. Da noch ein Großteil des dechiffrierten Genoms nicht ausgewertet ist, haben die Forscher aus Hannover die Sequenzen in einer frei zugänglichen Datenbank gespeichert.

Quelle

Schröder L, Hohnjec N, Senkler M, et al. The gene space of European mistletoe (Viscum album). The Plant Journal 2022;109: 278–294.

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